Aktivistin gegen geschlechtsbezogene Gewalt Afrika

Sexuelle Gewalt während COVID-19 – Einblicke einer medizinischen Fachkraft aus Addis Abeba –

Hiwot Girma, #NoMoreViolence-Champion aus Äthiopien:

“Mein Name ist Hiwot. Ich bin eine 26-jähriger klinische Apothekerin und arbeite am Ghandi Memorial Hospital als zentrale Ansprechpartnerin für Arzneimittelinformationen. Dies ist ein spezialisiertes Krankenhaus, das sich auf die Betreuung von Müttern und Neugeborenen konzentriert. Ich arbeite auch ehrenamtlich im Zentrum für geschlechtsbezogene Gewalt des Krankenhauses, wo ich Menschen, die vergewaltigt wurden, Anleitung, Betreuung und Trost gebe und sie medizinisch berate.

Zurzeit lebe ich mit meinem Bruder und meinem Vater zusammen, weil Mädchen und Frauen ihren Familienhaushalt vor der Heirat nicht verlassen können, auch nicht in der Hauptstadt. Obwohl die meisten Menschen zu Hause festsitzen, muss ich trotzdem arbeiten gehen”.

Welche Arbeit machen Sie mit Amref Heath Africa?

“Ich arbeite als Jugendfreiwillige im AYAP (Amref Youth Advisory Parliament), das sich für eine sinnvolle Beteiligung der Jugend an der Projektdurchführung einsetzt. Ich bin auch die neue FGM-Champion (Female Genital Mutilation = weibliche Genitalverstümmelung), d.h. ich besuche andere Amref-Projekte und tausche mich über die Erfahrungen in der Projektarbeit zur Beedigung von weiblicher Genitalverstümmelung aus.

Glücklicherweise wurde ich nicht beschnitten, weil meine Eltern über die negativen Folgen Bescheid wussten. Viele Menschen wissen immer noch nichts von den Komplikationen. Nur weil ich den Schnitt nicht durchgemacht habe, heißt das nicht, dass ich nicht für meine Schwestern kämpfen sollte”.

Wie hat sich COVID-19 in Ihrem Gebiet entwickelt, insbesondere im Hinblick auf GBV?

“In Addis Abeba bedeutet geschlechtsbezogene Gewalt oft Vergewaltigung. In ländlicheren Gegenden werden noch immer Genitalverstümmelungen an Mädchen durchgeführt. In letzter Zeit ist es in Addis Abeba verrückt geworden – Frauen und Mädchen werden vergewaltigt, und die Gewalt nimmt zu.

Ich glaube, COVID-19 hat darauf Einfluss gehabt, aber die Regierung kennt die offiziellen Gründe noch nicht. Liegt es daran, dass alle zu Hause sind oder an anderen Faktoren? Das Ministerium für Frauen, Kinder und Jugend erforscht derzeit, warum die Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen zunehmen”.

Wie hat sich COVID-19 auf Sie und Ihre Arbeit mit Frauen und Mädchen ausgewirkt?

“Bei der Arbeit haben wir einen Notfallkonzept aufgestellt. Eine Krankenschwester misst Fieber und die werdenden Mütter werden auf COVID-19 getestet, wenn sie zu uns kommen. Wir haben schon immer Masken und Handschuhe getragen, um Medikamente zu verteilen, also hat sich dort nichts geändert.

Wie ich bereits erwähnt habe, nehmen die Vergewaltigungsfälle in der Stadt zu. Meine Aufgabe ist es, mit Frauen und Mädchen über ihre Erfahrungen und die emotionalen Auswirkungen zu sprechen. Sie sollen eine HIV-Prophylaxe einnehmen – ein Medikament, das helfen soll, die Ausbreitung von HIV zu verhindern – sowie Medikamente zur Behandlung einer möglichen Exposition gegenüber anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STDs). Deshalb gebe ich auch Informationen über diese Medikamente weiter und berate die Frauen und Mädchen bezüglich der Anwendung”.

Geschlechtsbezogene Gewalt Afrika