Notnahrungs­mittel für Somalia

Die humanitäre Krise in Somalia ist eine der langwierigsten und komplexesten der Welt. Seit Jahrzehnten hat das Land am Horn von Afrika gleichzeitig mit verschiedenen schweren Krisen zu kämpfen: bewaffnete Konflikte, Extremwetter-Katastrophen wie Dürren und Überflutungen, Heuschreckenplagen, Hungersnöte, Ausbreitung von Krankheiten und nicht zuletzt die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen der Covid-19 Pandemie. Menschen leiden Hunger und leben in ständiger Angst. Zugang zu Wasser und Gesundheitsdiensten haben nur wenige. Über 3,2 Millionen Somalier:innen mussten fliehen, 3 Millionen innerhalb des Landes. Unter ihnen sind hauptsächlich Frauen und Kinder.

Und die Situation verschlimmert sich weiter: Seit einigen Wochen wird Zentral-Somalia zum wiederholten Mal von schlimmen Heuschreckenplagen heimgesucht. Die sowie schon knappen Ernten werden zerstört. Immer mehr Menschen fliehen auf der Suche nach Nahrung in den Afgooye-Korridor, eine der weltweit größten Siedlungen für Binnengeflüchtete außerhalb der vom Krieg zerstörten Hauptstadt Mogadischu.

So auch die 35-jährige Habibo Hussein. Sie ist eine von etwa drei Millionen Vertriebenen und auf der Flucht im eigenen Land. Durch Heuschreckenplagen und Überschwemmungen hat Habibo ihre Farm – ihren alleinigen Lebensunterhalt – verloren. Mit ihren neun Kindern lebt sie jetzt, genau wie 600.000 weitere Menschen, in eine der provisorischen Hütten im 30 Kilometer langem Afgooye-Korridor.

Doch auch hier sind die Bedingungen prekär: es fehlt an Nahrungsmitteln und sauberem Wasser, die Menschen leben in extremer Armut. Tagtäglich kommen neue Menschen an, die gezwungen waren ihre Heimat zu verlassen. Eine Rückkehr ist für fast alle aufgrund der Sicherheitssituation unmöglich. Bereits vor dem Ausbruch der Pandemie war die Situation katastrophal. Doch mit Verbreitung des Covid-19-Virus und den daraus resultierenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen herrscht eine akute Notsituation. Die Zahl der unterernährten Kinder ist alarmierend hoch, die Kindersterblichkeit droht erheblich anzusteigen. Und trotzdem ist internationale Hilfe aufgrund des Scheiterns der UN-Friedensmissionen so gering wie seit Jahren nicht. Der Teufelskreis der fehlenden Hilfe und verschärften Nahrungsunsicherheit wird die Lage in der Region langfristig verschlechtern.