Kenias Antwort auf COVID-19 beeinträchtigt das Wohlergehen von Frauen und Mädchen

Von Diram Duba, #NoMoreViolence-Champion

Anfang diesen Jahres verfolgte ich die Geschichte des Mädchens Sarah (Name geändert) und ihrer Mutter aus Ramole Village im kenianischen Marsabit County. Ihr Eigentum wurde ihnen weggenommen, weil ihre Mutter kein männliches Kind zur Welt brachte. Daher gab es niemanden, der den Besitz ihres Vaters im Einklang mit der Borana-Kultur erbte, und Sarah und ihrer Mutter blieb absolut nichts übrig.

Sarah und ihre Mutter erzählten mir diese Geschichte mit Tränen in den Augen und erklärten mir, was sie durchmachten und warum sie unterstützt werden mussten. Sarah besucht einige Kilometer von ihrem Zuhause entfernt eine öffentliche Grundschule. Ihr einziger Grund, zur Schule zu gehen, war, wie sie erklärte, damit sie über das Schulspeisungsprogramm etwas zu essen bekam.

Mit dem Aufkommen der COVID-19-Pandemie in Kenia war eine der Maßnahmen zur Verhinderung der Ansteckung und Verbreitung der Krankheit, dass die Familien zu Hause bleiben und sich sozial distanzieren. Die Schulen wurden geschlossen, was bedeutet, dass viele Kinder wie Sarah, die vor dem Ausbruch der Pandemie auf Schulspeisungsprogramme angewiesen waren, kaum etwas zu essen haben.

Leider nimmt mit dem Fortschreiten der COVID-19-Pandemie die Gefahr für Frauen und Mädchen zu, Opfer von geschlechtsbezogener Ungleichheit und Gewalt zu werden. Ich möchte mir nicht vorstellen, was mit Mädchen und Frauen geschieht, die sich der weiblichen Genitalverstümmelung, wie es meine Kultur verlangt, widersetzen. Was ist mit Frauen und Mädchen, die mit einem gewalttätigen Partner oder Familienmitglied zusammenleben?

Geschichten von Mädchen wie Sarah geben mir einen Grund, meinen Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter in meiner Gemeinde und darüber hinaus zu intensivieren.

Die Gleichstellung der Geschlechter ist eine globale Priorität, und die Unterstützung junger Mädchen und Frauen, ihre Ausbildung, ihren Stimmen und Ideen Gehör zu verschaffen, sind Triebkräfte für nachhaltige Entwicklung und Frieden. Während dieser Pandemie hat sich die Aufmerksamkeit der Welt verlagert, und die geschlechtsbezogene Gewalt nimmt zu. In meiner Gemeinde gehen Frauen und Mädchen weite Strecken zu Fuß, um Wasser und Feuerholz zu holen. In dieser Zeit von COVID-19 steigt die Nachfrage nach Wasser, damit die Familien angemessene Hygienemaßnahmen umsetzen können, um die Übertragung der Krankheit zu verringern. Das bedeutet, dass die Frauen immer weiter laufen müssen, um Wasserquellen zu finden. Das setzt sie einem höheren Risiko aus, sich mit der Krankheit anzustecken, und geschlechtsbezogene Gewalttaten wie Vergewaltigungen zu erleben.

Mindestens 22 Bezirke in Kenia praktizieren FGM, was während dieser Pandemie leider zunimmt. Die Regierung und die Interessenvertreter*innen müssen der Arbeit für die Prävention und Reaktion auf die zunehmende häusliche Gewalt und andere Formen geschlechtsbezogener Gewalt Vorrang einräumen.

Frauen und Mädchen sind während dieser Pandemie einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt, und die meisten sind möglicherweise auch von ihren üblichen Unterstützungsnetzwerken abgekoppelt, die bei Bedarf Hilfe und Rettung anbieten würden.

Ich fordere daher lokale und nationale Regierungen und andere Entwicklungspartner*innen dringend auf, die Bemühungen um den Kinderschutz zu intensivieren, Hilfsangebote bereitzustellen und auf die zunehmende häusliche Gewalt und andere Formen geschlechtsbezogener Gewalt in unseren Gemeinden zu reagieren.“

Diram Duba ist ein Amref Health Africa Youth Champion für das Ende der geschlechtsbezogenen Gewalt und eine Vorkämpferin für Geschlechtergerechtigkeit für Frauen und Mädchen in Kenia.