Tansania
Massai-Mädchen vor Beschneidung schützen

image001_schmal540 Massai-Mädchen in Tansania feiern das „Alternative Initiationsritual“ ohne die grausame Praktik der Genitalverstümmelung.

Der Übergang von der Phase des Mädchen-Seins zum Erwachsenwerden ist ein sehr wichtiger, überall auf der Welt. Bei den Massai in Kenia und Tansania ist diese Zeit allerdings auch heute noch häufig verbunden mit der brutalen Praktik der Genitalbeschneidung. Dabei werden die äußeren weiblichen Genitalien von jungen Mädchen teilweise oder vollständig entfernt. Meist wird der Eingriff unter unhygienischen Bedingungen, ohne Narkose und mit einfachen Hilfsmitteln, wie Glasscherben oder Rasierklingen, durchgeführt. Die betroffenen Mädchen leiden ihr Leben lang unter den gesundheitlichen Folgen der grausamen Praktik – etwa durch Infektionen, Blutungen und Komplikationen bei einer späteren Geburt.

Nur durch die Einbeziehung aller Akteure und insbesondere der Entscheidungsträger kann weibliche Genitalverstümmelung nachhaltig verhindert werden.

Gemeinsam mit Massai-Gemeinden in Kenia und Tansania entwickelt Amref Health Africa deshalb alternative Initiationsrituale, um die traditionell stark verankerte Praktik der Genitalverstümmelung nachhaltig zu verhindern. Bei den alternativen Initiationsritualen handelt es sich um gemeindebasierte Praktiken, die traditionelle Elemente der Initiation  erhalten, aber auf die schmerzhafte, risikoreiche Beschneidung gänzlich verzichten. Durch intensive Aufklärungsarbeit wird Verständnis dafür geschaffen, warum Beschneidung zum Nachteil für die gesamte Gemeinde ist.

540 Mädchen feiern das alternative Initiationsritual

Im Bezirk Handeni konnten, dank der finanziellen Unterstützung von Sternstunden e.V., die alternativen Initiationsrituale im Sommer 2017 eingeführt werden. Nach intensiver Sensibilisierungsarbeit wurden nach und nach die Männer, die Ältesten, die Mütter, die traditionellen Beschneiderinnen und die jungen Mädchen selbst in das Projekt eingebunden und über die Risiken der Beschneidung aufgeklärt.

Der Höhepunkt war dann das alternative Ritual im Juni 2017, ein dreitägiges Training der Mädchen mit anschließender offizieller Zeremonie. Weil so viele Mädchen und ihre Familien teilnehmen wollten, wurden die Trainings und Feierlichkeiten auf zwei Termine aufgeteilt. Speziell geschulte Trainer arbeiteten zwei Tage mit den Mädchen zu Themen wie den sexuellen und reproduktiven Rechten und Familienplanung. Am dritten Tag vermittelten die ältesten Frauen der Gemeinden, die früher die Beschneidungen durchgeführt haben, ihr traditionelles Wissen.

Insgesamt 540 Massai Mädchen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren nahmen an dem alternativen Ritual teil.

Am vierten Tag wurde die offizielle Zeremonie begangen. Zahlreiche hochrangige Bezirksvertreter nahmen teil, um ihre Unterstützung zu bekräftigen. Neben Ansprachen und Reden für die Mädchen, setzten auch die Morans (die jungen Männer) mit einer Tanzaufführung ein Zeichen der Anerkennung und Unterstützung. Von Familie zu Familie unterschiedliche Rituale, die den Übergang vom Mädchen zur Frau markieren, wurden in den Räumlichkeiten durchgeführt, in denen früher die Beschneidung stattfand. Weibliche Gemeindemitglieder und Bezirksvertreter waren anwesend, um sicherzustellen, dass keine Beschneidung durchgeführt wird.